Umschulung auf Standard Cirrus HB-1015

Bericht von Hans Streuli

Hans Steuli's Fliegerseiten

Heute wollte ich die Einweisung auf den Cirrus beginnen. Das Flugzeug und seine praktischen Eigenheiten wurde mir und Dani Ott, kompetent von Werni Lüscher erklärt.

 

Der Standard Cirrus wurde von Dipl. Ing. Klaus Holighaus entwickelt. Er war in den ersten 129 Werknummer voll auf Leistung getrimmt und entstand mit einem ungeschränkten Flügelprofil. Diese Version war vor allen bei Wettbewerbspiloten sehr begehrt. Die darauffolgende Version hatte ein anderes Profil im Außenbereich des Flügels und bekam dadurch bessere (Langsam-) Flugeigenschaften. Ab '71 konnte im Cirrus Wasserballast mitgenommen werden. Der Cirrus 75 bekam eine GfK-Schale im Flügelnasenbereich, die aber in den letzten Modellen zugunsten der Beulfestigkeit zurückgenommen wurde. Der Cirrus 75 konnte durch Ansteckflügel zu einer 16 m Version umgerüstet werden. Die größere Spannweite brachte eine erhebliche Leistungsverbesserung bei der Gleitzahl, was aber einen negativen Effekt bei der Wendigkeit hatte. Ein Manko beim Cirrus sind die empfindlichen rumpfseitigen Aufnahmebuchsen am T- Leitwerk und das leicht zustande kommende Spiel an der Höhenruderaufhängung. Ähnlich empfindlich gegen harte Landungen sind die Lagerschalen an den Flächenaufhängungen.

Quelle: www.segelflug.de

 

Std Cirrus wartet auf Start. Hinten Hangar SGGL

Ein Vergleich zum B 4

Typ

B 4   HB 1116

Standard Cirrus   HB 1015

Baujahr

1972

1970

Klasse

Standardklasse

Standardklasse

Spannweite

15

15 m

Länge

6.57

6,35 m

Flügelfläche

14.05

10 m²   deutlich weniger Fläche als B 4

Seitenverhältnis

16

22.5    deutlich höhere Streckung als B 4

Rüstgewicht

237

202 kg

max. Flugmasse

350

330 kg

max. Flächenbelastung

25

33 kg/m²

V max

240

220 km/h   tiefere V max als B 4

V min

67

62   tiefere V min        5 km/h als B 4

V S min

0.64

0.57   weniger Sinken   als B 4

beste Gleitzahl bei km/h

34 bei 85

38 bei 85 km/h   besseres Gleiten als B 4

Profil

Naca 643618

Worthmann fx 66196

Dicke

18%

19.57

Dickenrücklage

36.49%

37.06%

Wölbung

3.31%

4.01%


Die beiden Profile

 

Der Flug

Vor dem ersten Start bitte ich den Fluglehrer Thomas Walt noch um etwas Auffrischung betr. Mindestgeschwindikeit, und konnte auf der ASK-21 dies noch etwas üben.

Besten Dank Thomas!

13:42 erster Start gelungen. Auch die Landung.
Ich habe den Cirrus geflogen. Auch die zwei weiteren Flüge gelingen passabel. Sehr gute Bremswirkung.

12 07 2003 11 33 Die Luft ist noch schön ruhig. Guter Start. Während des Schlepps will ich das Fenster aufschieben. Der Augenblick Unaufmerksamkeit genügt, um stark über das Schleppflugzeug zu steigen, ich korrigiere sofort, das Seil hängt nun durch, und der Schlepp - Pilot Ruedi Schmid wird danach kräftig durchgeschüttelt.
Auf 1250 klinke ich. Ich trimme die Gleitgeschwindikeit, - Tendenz eher etwas höher als 90. Wenn der kleine Klapplüfter im Fenster geöffnet ist, sind Geschwindikeitsänderungen besonders gut hörbar. Ist das Schieberfenster aber geöffnet, übertönt dies anscheinend etwas die feinen Änderungen im Fluggeräusch. Über dem Kerenzer treffe ich sehr ruhiges, weiträumiges Steigen.
Ich benütze dies, um etwas Kurven zu üben. Das Vario dh. der Drehknopf bringt den Lautsprecher erst auf den letzten 2 Millimetern zum tönen. Die Kurven mache ich nun auch etwas enger. Steilkurven muss ich erst richtig einüben, bis diese gelingen.
Ich habe den Eindruck, das Flugzeug muss in einer Rollbewegung richtig und eindeutig gestoppt werden, sonst dreht es noch selbständig weiter!

Gleichmässig steigt das Flugzeug. Etwa 1500 kann ich erreichen.
Im Oberseetäli zeigen Wölchli weiteres Steigen an. Nach der Querung bin ich etwas über den Häusern der Sunnealp. Es hat sogar kräftigen Aufwind, aber sehr eng. Es gelingt mir nicht, so eng zu kreisen. Ich verliere stark an Höhe und muss weg. Das zweite mal dasselbe. Auch das dritte mal gelingt es mir nicht, so eng wie der Aufwind zu kreisen, die Hälfte der Kurve bin ich immer im Sinken. Noch etwas üben!

Nun teste ich das Gleiten zur Durschlegi. Erst als ich vom Rutschhang zurückfliege, kann ich genau über dem Mast zentrieren. Es steigt hier richtig gut, manchmal 3 Meter. Das erste mal überhaupt, gelingt mir heute die Überhöhung des Mattstockes. Später kommt noch Erich dazu, mir bleibt die Spucke weg, wofür ich eine Viertelstunde gebraucht habe, steigt Erich in 5 Minuten durch und ist danach sogar deutlich höher als ich!

Das ständige andauernde Kurven hat mich aber anscheinend doch etwas geschafft, mir ist auch etwas übel, weiter zu steigen gelingt mir nicht, und so fliege ich zurück.

19 07 2003 15 51 Cirrus Schleppauftrag zum Kerenzer. Kurven üben. Das Nachdrehen um die Längsachse hat sich etwas verloren. Das Flugzeug liegt mir schon etwas besser in der Hand.
Ein Starrflügel hält sich nah am Hang etwa 100m höher. Ich komme aber nicht auf dessen Höhe.

Querung zur Durschlegi, es hat Aufwind, aber ich kann mich nicht halten. Am Kerenzer bin ich rasch wieder auf 1400m. Der Starrflügel versucht jetzt auch die Durschlegi. Er kommt etwas tiefer als der Mastfuss an. Nach einigem Suchen fliegt er zurück. Mit 1400m bin ich diesmal abgeflogen, und kam deutlich über der Mastspitze an.
Diesmal kann ich mich halten. Ich nehme mir mehr Zeit um das Zentrum zu finden. Bald habe ich die Höhe des Mattstockes erreicht. Louis und Angelo sind auch oben.

Über dem Walensee verlangsame ich den Cirrus. Ohne den kleinsten Rüttler bleibt dann der Geschwindikeitsmesser bei ca 73kmh stehen. Das Höhenruder zeigt keine weitere Wirkung. Das Flugzeug fliegt völlig ruhig weiter. Das Höhenruder wird vor erreichen dieser Geschwindikeit weich, und hält dann diese Geschwindikeit. Das Flugzeug wird beim weiterziehen nicht langsamer. Ich wiederhole die Übung noch zweimal. Erstaunlich, viele Warnungen haben mir ein Strömungsabriss mit starkem Höhenverlust und wegdrehen über den Flügel vorausgesagt. Ich bin mit 95 kg Leergewicht ca 2kg unter der Max Last. Der Schwerpunkt ist weiter vorn. Kommt daher dieses andere Verhalten?

Während des Abfangbogens sehe ich im Augenwinkel den Geschwindikeitsmesser von etwa 90kmh augenblicklich zurückfallen. Gewohnterweise geht die Geschwindikeit im Ausflachen sachte zurück bis zum Aufsetzen.

Bummms – Meine Fliegerseele ist zerstört, aber keiner, tatsächlich keiner holt mich aus dem Flugzeug.

Ich schätze das ich aus etwa 15m aufgeschlagen bin, - mindestens. Fritz meinte aber, ich sei aus etwa 50 cm durchgesackt.


Last update: 03.10.2003 Home